Perfektionismus - sich selbst im Weg stehen

Die Familienexpertin gibt Antworten auf deine Frage

Wie können wir unser Kind stärken um Kritik nicht immer persönlich zu nehmen? Reden und Erklären führt nicht zum Ziel. Eine Frage von Erika an die Familienexpertin:

Mein bald siebenjähriger Sohn geht zur Zeit in die Vorschulklasse, ist ein intelligentes, aufgeschlossenes Kind mit guten Sozialkontakten - eigentlich
ist alles bestens und man muß sich keine Sorgen machen - bis auf seinen schon bald extremen Perfektionismus. Er steht sich damit selbst im Wege und er macht Sachen nur, wenn er sie wirklich gut kann - probieren ist nicht.

Bis jetzt waren seine eigenen hohen Erwartungen nur ein Problem der Geschwindigkeit zum Beispiel beim Ausmalen aber mittlerweile bricht er bei dem kleinsten Ansatz an Kritik in Tränen aus. Es reicht schon, wenn die Musikschullehrerin zu ihm sagt, dass er zum Beispiel noch mal etwas nachklatschen soll oder auch wenn sein kleiner Bruder ihn anschnauzt. Dabei haben wir gerade in seinem Fall, weil er schon von Anfang an eine eher niedrige Frustrationstoleranz hatte, immer auf Bestärkung und Betonung seiner Stärken geachtet. Mit Kritik haben wir sowieso gespart, war auch selten angebracht.

Im Herbst kommt er in die erste Klasse und wir machen uns Sorgen, denn seine Fehler werden sich mit höheren Anforderungen wohl häufen. Wie können wir ihn stärken um Kritik nicht immer persönlich zu nehmen? Reden und Erklären führt nicht zum Ziel. Mit bestem Dank im Voraus.

Antwort der Familienexpertin:

Hallo Erika,

Dein Sohn ist ein Kind, das Dinge nur ganz oder gar nicht machen möchte, für das vor allem gute oder gar außergewöhnliche Ergebnisse zählen. Dies kann dazu führen, dass er auf viele Dinge verzichtet, weil er sie nicht perfekt beherrscht. Ich meine damit, dass er vermutlich Aktivitäten, Sportarten, sonstige Hobbies nur dann gerne ausübt und ausüben wird, wenn er sehr gut darin ist, wenn das Ergebnis/die Leistung passt.

Es ist wichtig, dass dein Sohn lernt, dass etwas auch dann Spaß machen kann, wenn er es nicht sehr gut sondern nur durchschnittlich oder sogar unterdurchschnittlich kann. Du hast einen sehr guten Weg als Eltern gewählt, deinen Sohn zu ermutigen, indem du ihn in seinen Stärken betonst und bestätigst. Denkbar ist es, dass dein Sohn mit seiner ausgeprägten Charaktereigenschaft des Perfektionismus dadurch jedoch zum Schluss kommt, dass nur seine Stärken liebenswert sind und er seine Schwächen am liebsten ausmerzen möchte.

Ich empfehle deshalb, gerade bei deinem kleinen Perfektionisten auch die Schwächen als Teil seiner Person zu deklarieren und ihn verstärkt für seine Fortschritte zu loben, nicht für erzielte Ergebnisse. So kann dein Sohn merken, dass nicht nur das Endergebnis zählt und wertvoll ist, sondern auch seine Bemühungen, auch wenn sie nicht immer von Erfolg gekrönt sind.

Alles Liebe - deine Familienexpertin

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Kommentare

Kommentar

ich sehe das auch so, er scheint sich ja gar nicht mehr zu bemühen, weils ja eh nicht geht (wenn ich das richtig lese) - wie also loben?


Kommentar

Aber wie soll sie ihn denn für seine Bemühungen loben wenn er nur Dinge macht die er kann?


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