Förderdruck und das Erwachen des Frühlings

Tipps vom VITAfamily Expertenteam

In den Medien hört oder liest man es fast täglich: „Unsere Kinder lernen zu wenig, ihre Rechtschreibung ist eine Katastrophe und lesen tun sie auch nicht mehr.“ Und gleichzeitig wird der Ruf nach möglichst früher allumfassender Förderung lauter und der Druck auf die Eltern, ihr Kind schon von klein auf möglichst gut und gezielt auf unsere Leistungsgesellschaft vorzubereiten und ihnen somit einen bestmöglichen Start ins spätere Leben zu verschaffen immer stärker. Der Terminkalender von teilweise noch sehr jungen Kindern ist oft wirklich ausgefüllt - englische Spielgruppe am Montag, Babysigning am Dienstag, musikalische Frühförderung am Mittwoch, Babyschwimmen am Donnerstag und Turnen mit Kids am Freitag. Die Folge davon sind nicht selten völlige Überforderung bei den Kindern und gleichzeitig erschöpfte und frustrierte Eltern (meist Mütter), die ihre Kinder wie ein Fahrtendienst von A nach Z bringen, nebenbei üben und natürlich auch die sonstigen Dinge erledigen, die in einem Haushalt mit Kindern so zu tun sind und sich Mama oder Papa sein eigentlich ganz anders vorgestellt haben…

Wo ist denn nun der Unterschied zwischen „fördern“ und „überfordern“? Allgemein kann man natürlich nicht sagen, wie viel Aktionen und Angebote einem Kind gut tun, weil das individuell von Kind zu Kind unterschiedlich ist. Was sich auf jeden Fall sagen lässt, ist, dass Kinder die Möglichkeit haben sollten, zu sagen, wenn es ihnen zu viel wird (und dann auch darauf reagiert wird) und das man Kindern auch noch Zeit lässt, einfach Kinder zu sein. Zuhause zu bleiben, zu spielen, herumzukugeln, beim Fenster rauszusehen, sich zu langweilen… auch dies sind wertvolle und wesentliche Erfahrungen für Kinder.

Anregungen sind wichtig für Kinder. Allerdings geht es hierbei nicht immer um pädagogisch wertvolle und gut durchdachte Förderangebote.

© pigs.de

Setze dich doch einfach mal mit deinem Kind auf eine Wiese. Spürt gemeinsam, wie das Gras am Körper kitzelt. Lauscht den Geräuschen der Tiere. Wenn man ganz leise ist, kann man sogar die Fliegen summen hören. Konzentriert euch einmal ganz bewusst auf euren Geruchssinn. Was könnt ihr denn alles riechen, wenn ihr da auf dieser Wiese sitzt. Hat Gras einen Geruch? Könnt ihr Blumen um euch herum entdecken? Wer sieht denn mehr? Und wer arbeitet denn um euch herum den ganzen Tag ganz fleißig? Vielleicht könnt ihr Ameisen entdecken, die schwere Lasten hin- und hertragen, einen Marienkäfer oder eine Schnecke, die gemütlich ihr Haus vor sich hin trägt. Vielleicht könnt ihr euch ein wenig anstecken lassen von ihrem gemächlichen Tempo und die Anforderungen unserer schnelllebigen Zeit für ein paar Augenblicke vergessen. Dann werdet ihr sicher jede Menge ganz erstaunlicher Lebewesen und Dinge entdecken, während ihr einfach „nur“ auf einer Wiese sitzt und Zeit miteinander verbringt. Und nebenbei wird das Kind auf ganz vielfältige Art und Weise gefördert – ohne Druck und Stress.

In diesem Sinne: Genieße den Frühling und mache mit deinem Kind öfter einfach nur, was euch beiden Spaß macht ohne sich pausenlos verkrampft zu überlegen, ob dein Kind eh genug gefördert wird. Das wird dir und deinem Kind ganz bestimmt gut tun!

©Lisa Wittmann / Pädagogin/Lebens- und Sozialberatung/Familien- und Erziehungsberatung

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Kommentare

Kommentar

Auch ich finde den Artikel gut. Meine Erfahrung ist folgende: Einerseits gibt es Eltern, die ihre Kinder auf jede nur mögliche Art fördern oder überfordern und andererseits gibt es Kinder, die sich selbst überlassen werden und vom Fernsehappparat aufgezogen werden.


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Vielen Dank für deinen Artikel - du sprichst mir aus der Seele. Ich finde dieses Überangebot an "gut gemeinter Förderung" viel zu übertrieben. Die Kinder von heute haben gar keine Chance mehr einfach Kind zu sein!


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