Nur das Beste im Leben
Buchtipp zum Weltfrauentag
Heute wollen wir euch ein Buch passend zum Weltfrauentag vorstellen: "Nur das Beste im Leben" ist Theodora Jeszs erster Roman, der das Leben einer jungen Frau Ende der Sechzigerjahre in Wien beschreibt und zeigt, wohin der Wunsch durch eine Ehe aus dem konservativen, beengenden Elternhaus auszubrechen, führen kann.
"Nur das Beste im Leben" Theodora Jesz - Leseprobe:
Ende Februar hatten wir uns kennen gelernt, nun war es Anfang April und immer öfter, wenn wir uns trafen, ließ Karl kleine Andeutungen fallen wie „Was hältst du grundsätzlich vom Heiraten, Anna?“ oder „Es wäre doch schön wenn wir zusammenleben würden. Vielleicht auch einen Sohn hätten!“ und in diesem Sinne vieles mehr … Innerlich jubelte ich bereits vor Freude, denn seine Bemerkungen kamen meiner Vorstellung eines gemeinsamen Lebens immer näher und Kinder wollte ich eines fernen Tages auch. Ich wusste nichts über die Liebe, aber ich wollte für immer mit ihm zusammen sein. Er fehlte mir jeden Tag, und je mehr ich über seine Worte nachdachte, desto bewusster wurde mir: so muss es sein wenn man liebt!! Zudem setzte sich der Gedanke „zu heiraten“ langsam in mir fest und ließ mich förmlich schweben. Denn „verheiratet“ zu sein bedeutete: aus der Enge meines Elternhauses auszuziehen, von den ständigen Vorschriften befreit zu sein und außerdem mit dem Mann, den ich zu lieben glaubte, die Zukunft gestalten zu können.
Wir waren also seit etwa sechs Wochen zusammen, als meine Eltern ihn kennen lernen wollten, denn – wie mein Vater meinte – war es an der Zeit, den Mann, mit dem seine Tochter ausging, ein wenig ins „Gebet“ zu nehmen.
In der Nacht vor Karls Antrittsbesuch konnte ich vor lauter Ungewissheit, wie meine Eltern ihn aufnehmen würden, kaum ein Auge zudrücken. Aber die Zeit rückte unerbittlich voran und so nahm mein Schicksal seinen Lauf.
Pünktlich läutete es an der Türe. Mein Vater, ein großer schlanker Mann mit glatt zurückgekämmten grauen Haaren, öffnete und musterte abschätzend den jungen Mann vor sich, der ihn ein ganzes Stückchen überragte. Karl reichte ihm die Hand und stellte sich vor. Danach wurde er sogleich ins Wohnzimmer weiter gebeten, in dem meine Mutter und ich bereits gespannt warteten. Mit einem großen Blumenstrauß in der Hand kam er auf uns beide zu, verneigte sich vor Mutti und küsste ihr die Hand. "Für Sie, gnädige Frau“. Dann beugte er sich zu mir und drückte einen angedeuteten Kuss auf meine Wange. Ich war hingerissen – sein Auftritt war einfach vorbildlich. Nachdem Mutti sich bedankt hatte, begaben wir uns zu Tisch.
Bei Kaffee und Kuchen plauderten wir gerade über alles Mögliche, als Papa völlig unvermittelt sagte: „Also, junger Mann. Sie treffen sich ja schon seit einiger Zeit mit unserer Tochter. Nun möchten wir gerne Näheres über Ihre weiteren Absichten erfahren. Stellen Sie sich womöglich eine Zukunft mit Anna vor? Für ein vorübergehendes Abenteuer ist uns unser Kind zu schade!“ Seine Frage hing im Raum. Erschrocken sah ich zuerst meine Mutter an und dann zu Karl – wie würde er reagieren?
Seine Entgegnung war erstaunlich „Es freut mich, dass Sie mich so direkt darauf ansprechen.“ Karl erhob sich und ich dachte schon, er würde möglicherweise gehen. „Ich möchte Sie in aller Form um die Hand Ihrer Tochter bitten. Ich liebe sie und möchte sie zu meiner Frau machen.“ Sprachlos vernahm ich die Worte und die Andeutungen, die er in letzter Zeit bei unseren Treffen gemacht hatte, ergaben plötzlich einen Sinn. Er hatte jedoch niemals mit mir über seine tatsächlichen Absichten gesprochen. Dass er so schnell auf eine Heirat drängen würde, mit dem hatte ich nicht gerechnet!
In dem Moment stieg eine heiße Welle in mir hoch, mein Herz klopfte wie wild. Nun sprang ich auf „Ja, ich will Dich heiraten, nichts wünsche ich mir mehr“ und dann fiel ich ihm um den Hals und küsste ihn selig. Papa und Mama waren völlig überrumpelt! Nicht nur über Karls überraschenden Antrag, sondern auch über meine Reaktion. Da standen wir nun, dicht nebeneinander, Karl hatte besitz ergreifend seinen Arm um mich gelegt und ich sah trotzig auf meine ungläubig dreinblickenden Eltern herab.
Karl, der es versteht nach außen hin als ein perfekter, fürsorglicher und hilfsbereiter Ehemann aufzutreten, will Anna nach seinen Vorstellungen zur Partnerin formen. Die Ehe entwickelt sich innerhalb der eigenen vier Wände zu einer Hölle aus psychischer und physischer Gewalt. Niemand hört ihr zu - niemand glaubt ihr - niemand hilft ihr. Auch nicht als sie schwanger wird.
Schafft es Anna sich irgendwann zu befreien?
Theodora Jesz: Nur das Beste im Leben.
Erschienen 2009; 255 Seiten; € 12,80
Bestelladresse: theodora.jesz@gmail.com
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[Disclaimer]







Kommentare
Ich hab das Buch bereits gelesen, aus der Geschichte schöpft mal so viel Kraft - was ein Mensch alles überstehen kann.... unglaublich!!!!
Zu den Kommentaren mit den Zorn, das Leben ist nicht einfach, es passieren Menschen schreckliche Dinge und das in den eigenen 4 Wänden, natürlich ist das tragisch, aber das Buch regt zum Nachdenken an!!
Widerspricht sie sich da nicht? Wenn er sie doch eh schon auf die Heirat angesprochen hat, warum ist sie dann plötzlich so überrascht? Wie alt ist die Autorin? 70?
Allein bei der Leseprobe steigt in mir der Zorn auf!
Ich hoffe, dass es alle Frauen schaffen unabhängig zu sein, aber trotzdem einen liebenden Partner finden.
Klingt nach einem Buch, dass ich vor lauter Zorn (weil mich die Handlung so aufregt) in ein Eck schmeisse.
Hört sich toll an, und da ich immer auf der Suchen nach neuem Lesestoff bin, danke für den Tip!
Klingt ja toll, ich liebe Romane.
Habe heute das Buch gleich in meiner Lieblingsbuchhandlung bestellt.
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