Von Kindern und Kaninchen
Wieso du gut nachdenken solltest, bevor du ein Tier zu Ostern verschenkst
Sandra ist ein glückliches Mädchen, nach anfänglichen Schwierigkeiten und mit ein paar Hürden kann sie ihren Struppi nun unbeschwert genießen. Die Geschichte begann am Ostersonntag letztes Jahr. Da hat sie ihn bekommen. In Omas Garten wartete eine Riesenüberraschung auf sie. Ein Kaninchen, ganz klein, mit Schlappohren. Das Mädchen war ganz aus dem Häuschen, hat sich so sehr gefreut und gleich begonnen mit dem Tierchen zu spielen. Abends nahmen Sandra und ihre Eltern das Kaninchen samt Käfig und allem Drum und Dran mit nach Hause. Bis dahin war entschieden, dass es Struppi heißen solle und, dass es bei Sandra im Kinderzimmer wohnen würde. Das Kind war so stolz, hatte sich vorgenommen, sich ganz allein um das Tier zu kümmern.
Der Alltag kehrt ein…
Allerdings hatte Sandra nach einiger Zeit, wie jedes Kind, oft einfach etwas Besseres zu tun. Struppi war da und das war ja eigentlich auch schön, aber irgendwie lief das Tier einfach so nebenbei mit. Mit der Zeit wurden die Streicheleinheiten immer seltener und das Interesse an dem kleinen Wesen ließ nach. Mama, die sich um das Füttern und den Käfig gekümmert hatte, begann immer mehr zu murren. Das wäre so nicht geplant gewesen, sagte sie, sie hätte schon gefragt werden wollen und dass es ihr jetzt reichen würde. Und dann fiel das Wort: Tierheim. Ja, und da ist nun Sandra, die nicht wahrhaben will, dass sie ihren Liebling weggeben soll. Wäre Onkel Max nicht gewesen – wer weiß, wie diese Geschichte geendet hätte…
Ende gut, alles gut
Doch Onkel Max kennt sich zum Glück mit Tieren gut aus und weiß Rat: Er besorgt zunächst für Struppi ein großes Freigehege für den Garten und danach sogar ein zweites Kaninchen, einen Spielkameraden, Moppel, mit dem sich Struppi allerdings nur zögerlich anfreundet. „Vergesellschaftung“ nennt das Onkel Max und meint damit, dass sich die beiden Kaninchen erstmal untereinander die Rangordnung ausmachen. Nach einigen turbulenten Tagen mit gegenseitigem Fellrupfen und Nachjagen kehrt Ruhe ein und die beiden Tiere scheinen plötzlich wie ein Herz und eine Seele zu sein. Und dass der lebhafte Struppi nicht mehr so gereizt wie früher ist, als er allein war, fällt sogar der Mutter wohlwollend auf. Dicht aneinander geschmiegt dösen die beiden nun tagsüber in der Sonne, bevor sie gegen Abend ihren Auslauf in eine rasante Kaninchen-Rennstrecke verwandeln.
Wie froh nun Sandra ist, nicht nur ein, sondern gleich zwei Kaninchen zu haben! Und das schlechte Gewissen, wenn sie einmal nicht soviel Zeit für Kuscheln und Streicheln hat, ist auch nicht mehr so schlimm, denn nun haben sich Struppi und Moppel ja zumindest gegenseitig!
10 Jahre Verantwortung
Dass solche Geschichten mit Happy- End im wirklichen Leben leider Mangelware sind, zeigt die Statistik: In der Zeit nach Ostern steigt die Population an Kaninchen und Hasen in den Tierheimen um cirka 30 Prozent an. Meist sind die Besitzer mit der Haltung überfordert, manche wurden mit der Anschaffung einfach überrumpelt. Denn oft sind es gar nicht die Eltern, die den eigenen Nachwuchs mit einem tierischen Familienzuwachs beglücken wollen. Großeltern oder andere Verwandte bringen ungefragt das flauschige, kleine Wesen mit und erfreuen sich an der Begeisterung der Kinder. Ohne die Konsequenzen für beider Leben zu bedenken – das der Besitzer und das des Tieres. Immerhin beschert man den Beschenkten für die nächsten 8–10 Jahre ein neues Familienmitglied – das sollte wirklich wohl überlegt sein und mit der ganzen Familie abgesprochen werden. Selbst wenn ein Überraschungs-Häschen noch so verlockend ist – auch die Kinder haben ein Recht, bei der Wahl ihres Haustieres mitzureden.
Ein Herz für Kaninchen
Auch sollte die Frage, woher man das Kaninchen bezieht, nicht außer Acht gelassen werden. Möglichst nicht aus Tierhandlungen, denn allzu oft kommen die armen Wesen dort aus regelrechten Zuchtfabriken und jeder Kauf regt die „Nachproduktion“ an. Tierheime oder Tierauffangstationen sind dagegen ein guter Ort, um an solch ein Tier zu kommen. Auf diese Weise beweist du dein Herz für Kaninchen, die sich eine zweite Chance verdient haben. Und wenn es denn ein Züchter sein soll, dann ist es am besten, sich die Umstände, in denen die Tiere gehalten werden, vor Ort anzusehen. Viele Überlegungen sind vonnöten, bevor so ein Kaninchen – genauso wie jedes andere Haustier – zum neuen Familienmitglied auserkoren werden kann. Mit viel Sorgsamkeit und Überlegen jedoch kann jede Familie, die das gern möchte, eine lange und vergnügliche Zeit mit diesen kuscheligen Tieren verbringen.
Es braucht so wenig zum Glücklichsein…
Das solltest du bei der Haltungvon Kaninchen beachten:
- Kaninchen sind gesellige Tiere und brauchen die Gesellschaft eines Artgenossen, ein Meerschweinchen zählt nicht. Einzelhaltung ist verboten.
- Kaninchen brauchen mind. 2 m2 Auslauf pro Tier. Optimal wäre ein großzügiges Zimmer- oder ein wetterfestes, vor Feinden gesichertes Freigehege.
- Kaninchen sind oft am frühen Morgen, gegen Abend und nachts aktiv. Im Kinderzimmer kann das den Schlaf deines Kindes stören.
- Kaninchen sind sehr reinliche Tiere. Ein mit Streu gefülltes „Kisterl“ direkt unterhalb der Heuraufe reicht, das Umfeld sauber zu halten.
- Kaninchen fressen frisches Gemüse, gelegentlich Obst und saftige Kräuter sowie reichlich Heu und Wasser – das war’s. Keine Nahrungszusätze, kein getreidehaltiges Futter.
[Disclaimer]










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