Leichter Leben trotz Schmerzen
Expertentipp zum Thema Fibromyalgie
Es ist wichtig, die negative Spirale aus Schmerz – Hilflosigkeit – Abhängigkeit zu unterbrechen. Die beste Unterstützung bietet ein interdisziplinäres Team, welches ganzheitlich arbeitet, um die Spirale aus Hoffnungslosigkeit und Schmerz zu unterbrechen. Das Ziel ist wieder Lebensqualität zu erlangen und die gesundheitsbezogene Handlungskompetenz zu erweitern, damit du selbst gut für dich sorgen kannst. Ein Ansatz davon kann ein Schmerzcoaching sein.
Im Schmerzcoaching geht es darum wieder Lebensmut zu fassen, achtsam mit sich selbst umzugehen und herauszufinden, was einem gut tut. Da jeder Mensch anders ist, muss individuell die passende Therapie herausgefunden werden. Es gibt kein Therapiekonzept, dass für alle Fibromyalgie- Erkrankten gilt. Deshalb ist es wichtig zu lernen, gut auf seinen Körper zu hören, um die individuell passende Behandlung herauszufinden.
Menschen mit Fibromyalgie pilgern von Arzt zu Arzt, probieren eine Therapie nach der anderen aus und merken, dass sich kaum etwas verändert. Frust und Resignation machen sich breit. Patientinnen und Patienten gehen von einer Reparaturmedizin aus. Ich gehe zum Arzt, werde dort repariert und gehe gesund heim. Bei einer Autowerkstätte, kann ich erwarten, dass ich mein Auto intakt zurück bekomme. Bei Fibromyalgie sieht es anders aus. Da ist es wichtig zu überlegen, was man selbst dafür tun kann, damit es einem wieder besser geht.
Im Schmerzcoaching geht es darum aus der Opferrolle auszusteigen und wieder handlungsfähig zu werden. Wer das Gefühl hat dem Schmerz ausgeliefert zu sein, übernimmt nicht mehr die Verantwortung für sein Leben. Wichtig ist nach Ressourcen im Leben zu suchen, die einem dabei helfen aus der Hilflosigkeit auszusteigen, denn Angst vor Schmerz erhöht den Schmerz. Im Schmerzcoaching wird nach Auslösern von Schmerz gesucht und gemeinsam daran gearbeitet den Teufelskreis aus Resignation und Erwartungsangst zu unterbrechen. Meist neigt man dazu, mehr von demselben zu tun, was nicht funktioniert. Im Schmerzcoaching wirst du dabei unterstützt etwas anderes zu machen.
Eine positive Lebenseinstellung trägt sehr zur Verbesserung des Krankheitsbildes bei. Indem die Aufmerksamkeit weg vom Schmerz, hin zu den Dingen gelenkt wird, die Spaß machen, verändert sich auch das Schmerzerleben. Dabei ist es wichtig ein Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe herzustellen. Fibromyalgie- Erkrankte neigen dazu an Tagen, wo es einem besser geht, alles in den Tag hineinzupacken, was vorher nicht erledigt werden konnte. Ein Zusammenbruch ist damit vorprogrammiert. Andererseits führt eine übermäßige Inaktivität zur Passivität. Aufgrund der Schmerzen wird z.B. Bewegung vermieden, damit werden aber die Muskeln inaktiv und schwach, was wiederum zu einer erhöhten Muskelanspannung führt. Deshalb ist es wichtig täglich aktiv innerhalb der eigenen Grenzen zu sein. Habe Mut zur Lücke und lerne nicht alles 150 % tun zu müssen, verabschiede dich vom Perfektionismus und lerne „Nein zu Sagen“.
Wenn die Krankheit über viele Jahre besteht, ist auch die Gefahr groß, sich nur mehr über den Schmerz zu definieren. Wenn Verwandte oder Freunde fragen, wie es einem geht, werden die zahlreichen Beschwerden aufgezählt. Versuche andere Gesprächsthemen zu finden, die nichts mit dem Schmerz zu tun haben. Denn je mehr Aufmerksamkeit der Schmerz bekommt, desto intensiver wird er gespürt.
Es gibt ja ein Schmerzgedächtnis, aber wenn es ein Schmerzgedächtnis gibt, muss es auch noch ein anderes Gedächtnis geben, das mit Gesundheit zu tun hat. So suchte ich nach einem geeigneten Begriff und kam auf das Wohlfühlgedächtnis. Hier geht es darum, sich an Situationen zu erinnern, in denen du dich so richtig wohl gefühlt hast und darauf die Aufmerksamkeit zu lenken. Wichtig ist aktuelle Ereignisse wieder bewusst zu genießen und Dinge auszuprobieren, die einem gut tun. Das kann eine Tasse Tee sein, ein Spaziergang, ein Buch lesen, an Blumen riechen, ein warmes Bad nehmen, was auch immer, für dich hilfreich ist. Lasse deiner Kreativität die freie Wahl.
Je mehr du darum kämpfst die Krankheit zu besiegen, desto mehr beschäftigst du dich mit dem Schmerz. Wenn du eine Haltung einnimmst, dass der Schmerz eine Warnleuchte ist, die dich vor Überlastung und Perfektionismus schützt, wirst du lernen den Schmerz als Freund oder Freundin zu sehen.
Der Schmerz sendet Signale des Körpers aus, um dich vor Überlastung und Überanstrengung zu schützen. Du kannst lernen aus dem Hamsterrad auszusteigen. Lerne innerhalb der körperlichen Grenzen zu bleiben und dich nicht permanent zu überfordern. Der Schmerz zeigt die eigenen Grenzen auf und sagt „Stopp“, wenn es zuviel an Belastung wird.
Lebensveränderung kostet Kraft und Energie. Jedoch wenn du alles beim Alten lässt und unter den Lebensumständen leidest, dann kostet dies ebenfalls sehr viel Energie. Möglicherweise kostet es noch viel mehr Energie alles beim Alten zu lassen, als etwas zu verändern. Habe den Mut etwas Neues auszuprobieren.
Du als Patientin / als Patient bist gefordert dein Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Es ist gut, dass es die Medizin, die Therapie und die Beratung gibt, aber ohne deinen eigenen Beitrag dazu, wird sich am Schmerzgeschehen nicht viel ändern.
All die professionellen Angebote sind eine Hilfe und eine Unterstützung, aber gehen musst du selbst. Sieh die Angebote als Bergführung an, die dich anleiten, den Berg zu besteigen. Den Berg hinaufgehen musst du selbst. Es wird dich niemand hinauftragen.
Nimm dir Zeit für dich selbst, lerne Dinge oder Begebenheiten gelassener zu sehen und versuche Stress aus deinem Leben zu reduzieren. Dies schützt vor einem Zusammenbruch und Lebensqualität wird wieder möglich.
Eine Lebensveränderung passiert nicht von heute auf morgen, plane viel Zeit für kleine Schritte ein. Rückfälle ins gewohnte Muster gehören dazu, das ist normal. Aber gib nicht auf. Jeder Tag ist wieder ein Neubeginn. Ich wünsche dir viel Mut und Kraft, Schritte in ein Leben der Achtsamkeit, vor allem der Selbstachtsamkeit zu gehen.
Tamara Gunacker
Lebens- und Sozialberaterin, Diplomlehrgang für sozialpsychiatrische Arbeit
www.vitafamily.at/tamaragunacker.html
www.fibromyalgie.cc/kontakt.htm
[Disclaimer]









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