„Mama, gibt es das Christkind wirklich?“
Expertentipp zum Thema Christkind
Weihnachten nähert sich mit leisen Schritten. Die meisten Menschen verbinden mit der Weihnachtszeit den Duft frisch gebackener Kekse, leuchtende Kinderaugen und ganz viel Zauberhaftes und Geheimnisvolles. Und alle Jahre wieder stehen viele Eltern mit einem inneren Konflikt den Fragen ihrer Kinder gegenüber, die wissen wollen, wer die Geschenke unter den Christbaum legt und ob es das Christkind wirklich gibt.
„Du sollst nicht lügen!“ oder „Lügen tut man nicht!“ ist etwas, was viele von uns ihren Kindern schon sehr früh mitgeben. Und gleichzeitig drängt sich uns die Frage auf, ob wir sie nicht genauso anlügen, wenn wir ihnen erzählen, dass das Christkind die Geschenke bringt.
Die magische Phase
Kinder leben in einer Welt voller Magie und Fantasie. Gerade zwischen drei und sechs Jahren glauben Kinder nicht nur an das Christkind, den Nikolo und den Osterhasen, sondern auch an Hexen und Monster. Man spricht von der „magischen Phase“.
Sie halten Märchen und Wunder für möglich und wahr und können oftmals nicht leicht zwischen Realität und Schwindelei unterscheiden. Wenn Kinder in diesem Alter der Oma erzählen, dass sie am Spielplatz von einem wilden Eisbären verfolgt worden sind, so sehen sie in dem Moment diese Geschichte wirklich vor sich, weshalb sie nicht verstehen können, warum die Oma bei dieser Erzählung den Kopf schüttelt. Kinder wollen ernst genommen werden mit ihren fantastischen Geschichten und genauso nehmen sie uns ernst, wenn wir ihnen erzählen, dass das Christkind die Geschenke bringt.
Hinter der Geschichte über das Christkind steckt ganz viel Zauber. Und für mich persönlich gibt es nichts Schöneres, als in der Vorweihnachtszeit in die magische Welt der Kinder einzutauchen und mich gemeinsam mit ihnen von den Geheimnissen der Vorweihnachtszeit anstecken zu lassen. Ich kann mich heute noch an das Kribbeln in meinem Bauch erinnern, als ich im Kindergartenalter ein paar Tage vor Weihnachten eine goldene Haarlocke im Wohnzimmer gefunden habe. Und ähnliche Vorfreude bereitet es mir, wenn ich heute für meinen Sohn eine Haarlocke hinterlege.

So tun, als ob…
Von „Lügen“ würde ich persönlich in diesem Zusammenhang nicht sprechen. Das So-tun-als-ob spielt eine wesentliche Rolle in der kindlichen Entwicklung. Für Kinder sind Puppe und Teddy lebendig und auch imaginäre FreundInnen sind in der magischen Phase keine Seltenheit. Kinder lieben Fantasiefiguren und denken sich die wunderbarsten Geschichten aus. Und pädagogisch gesehen regt man mit der Geschichte vom Christkind die kindliche Fantasie an und verhilft damit den Kindern zu einer Weihnachtszeit voller Magie und Zauber.
Wie man als Eltern die Geschenke unter dem Christbaum erklärt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ob du über den Weihnachtsmann sprichst oder vom Christkind erzählst, ob ihr den Geburtstag von Jesus feiert oder du auch einfach offenbarst, dass ihr als Eltern die Geschenke unter den Christbaum legt – wichtig ist dabei nur, dass es sich stimmig für dich selbst anfühlt und es für dich und deine Familie passt.
Was man aber jedenfalls vermeiden sollte, ist, den Glauben an Nikolo und Christkind für erzieherische Maßnahmen zu missbrauchen wie „Wenn du nicht brav bist, kommt aber der Krampus zu dir und nicht der Nikolo!“ Mit solchen Aussagen macht man Kindern Angst und nimmt ihnen die Vorfreude auf die Feste, die der Advent mit sich bringt.

Wer bringt die Geschenke?
Wie lange ein Kind an das Christkind glaubt, hängt stark mit seiner Denkentwicklung zusammen. Je älter Kinder werden, desto stärker ist ihr kausales Denken ausgeprägt und die Kinder beginnen zu überprüfen, ob das, was man ihnen erzählt, wahr ist oder nicht. Wenn man als Elternteil unsicher ist, ob man seinem Kind weiterhin vom Christkind erzählen soll oder nicht, kann man ruhig das Kind in die Entscheidung mit einbeziehen, indem man zum Beispiel auf die Frage: „Wie kommen denn eigentlich zu Weihnachten die Geschenke unter den Baum?“ einfach eine Gegenfrage stellt, im Sinne von: „Was glaubst du denn, wer sie bringt?“ In den meisten Fällen bekommt man so einen Einblick in die Gedankenwelt des Kindes und erfährt so, ob es die Geschichte vom Christkind noch glaubt/glauben möchte oder nicht.
Vielen Schulkindern ist irgendwann durchaus bewusst, dass die Geschichte vom Christkind wohl nicht wahr ist und trotzdem wollen sie noch daran glauben.
Teilweise werden Kinder ausgelacht, weil sie noch an das Christkind glauben. Wenn dein Kind deshalb traurig ist, kannst du ihm sagen, dass manche Menschen eben daran glauben und andere nicht, du dir aber ziemlich sicher bist, dass es für diejenigen, die daran glauben, auch wirklich ein Christkind gibt.
Doch selbst der Verlust des Kinderglaubens sollte kein Anlass für Traurigkeit sein, denn er ist Zeichen eines großen Entwicklungsschritts. Und manchmal sind Kinder auch durchaus in der Lage, für ihre Eltern noch ein bisschen länger an das Christkind zu glauben. So hat ein siebenjähriger Bub einmal zu mir gesagt: „Weißt du, ich glaub überhaupt nicht an das Christkind, aber die Mama schon, und ich möchte ihr die Freude nicht zerstören.“
In diesem Sinne wünsche ich dir und deiner Familie eine wunderschöne besinnliche Vorweihnachtszeit und ganz viele zauberhafte gemeinsame Momente – ob mit Christkind oder ohne.
Lisa Wittmann,
Elementarpädagogin, Dipl.Ehe-, Familien- und Erziehungsberaterin i.A.u.S.; Elternberaterin und –trainerin bei ADS/ADHS
www.jobsmitherz.at
erschienen in der QUAX.at Printausgabe 4/2011 vom 12. November 2011.
[Disclaimer]









Kommentare
Kommentar abgeben