Wie der Hase zum Osterei kam

Ein ungelöstes Rätsel.

Jedes Jahr freuen sich die Kinder auf den Osterhasen, weil er buntgefärbte Eier und Süßigkeiten bringt. Aber wie kommt ausgerechnet der Hase zu diesem ehrenvollen Job?

Das Ei – Symbol der Fruchtbarkeit und Wiedergeburt

Der Ursprung des Osterhasen liegt im Dunkeln der Geschichte. Erstmals erwähnt wird der Hase in Zusammenhang mit Ostern Ende des 17. Jahrhunderts vom Heidelberger Arzt Georg Franck von Frankenau, der über den österlichen Brauch des Eieressens und seine gesundheitlichen Folgen referierte. Der Brauch ist aber weit älter. Schon in vorchristlicher Zeit verschenkten die PerserInnen zu Frühlingsbeginn rot bemalte Eier. Auch für die ÄgypterInnen, KeltInnen und GermanInnen war das Ei ein Symbol der Fruchtbarkeit. Aus christlicher Sicht, so Mag. Gerald Pöschl, Deutsch- und Religionsprofessor am BG/BRG Klosterneuburg, ist das Ei ein Symbol für die Auferstehung, für den Sieg des Lebens über den Tod: „Seine Form, die keinen Anfang und kein Ende hat, ist ein Symbol für das ewige Leben.“

Im Mittelalter waren Eier ein anerkanntes Zahlungsmittel. Da Christinnen und Christen in der Fastenzeit weder Fleisch noch Eier essen durften, sammelten sich bis zum Gründonnerstag eine Menge Eier an. Der Gründonnerstag galt als Zahlungstag für Zinsen und Schulden und Bäuerinnen und Bauern mussten die Pacht zu diesem Termin ihren GrundherrInnen abführen. Bezahlt wurde häufig in Naturalien mit frischen Eiern. Der Rest der Fastenwocheneier wurde gekocht, um sie haltbar zu machen, bemalt und am Ostersonntag in der Kirche geweiht. Die traditionelle Ostereierfarbe ist Rot, sie ist die Farbe des Blutes und symbolisiert den Opfertod Christi.

Die glamourösesten Ostereier wurden im 19. Jahrhundert in Russland im Auftrag von Zar Alexander III. hergestellt. Er ließ den Goldschmied Carl Fabergé juwelenbesetzte Eier anfertigen. In diesen Eiern waren kleine kunstvolle Miniaturen vom Landsitz des Zaren oder das Reiterstandbild Peter des Großen beherbergt. Der Wert eines Fabergé-Eis beläuft sich heute auf ca. 2,5 Millionen Euro.
Ein 1902 für die Bankiersfamilie Rothschild angefertigtes Ei erzielte vor beinahe fünf Jahren bei einer Versteigerung den Rekordpreis von 12,5 Millionen Euro.


Das Lamm als christliches Ostersymbol

Nicht nur christliche und heidnische Bräuche und Symbole finden sich im Osterfest wieder. „Es gibt auch eine starke Verbindung zum jüdischen Pessachfest“, erklärt Mag. Gerald Pöschl. Beim Pessachfest wird an den Auszug aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei erinnert. Es ist ein Weg vom Tod ins Leben. Der Erlösungsgedanke steht auch beim Osterfest im Zentrum. Beim Pessachfest muss jede jüdische Familie ein fehlerloses Lamm schlachten und mit seinem Blut die Türpfosten bestreichen, damit der Engel des Todes an ihrer Türe vorübergehe. Darüber hinaus ist das Lamm ein Symbol für Unschuld, Reinheit und Friedfertigkeit.

In der christlichen Religion ist Jesus durch seine Opferbereitschaft zum Lamm Gottes geworden. Er selbst nimmt darauf beim letzten Abendmahl, das ein Pessachmahl war, Bezug, indem er Brot und Wein in sein Fleisch und Blut wandelt. In früheren Zeiten war es auch bei Christinnen und Christen üblich, zu Ostern Lamm zu essen. Heute kommt das Lamm, so wie der Hase, häufig in Form von Kuchen auf den Ostertisch.


Der Hase als Fruchtbarkeits-Champion

Wie nun der Hase tatsächlich zum Osterhasen wurde, ist nicht restlos geklärt, aber es gibt verschiedene Erklärungsmodelle. Ostern ist ein Frühlingsfest und der Hase eines der ersten Tiere, die im Frühling Junge werfen. Meistens sind es sehr viele, was den Hasen zum absoluten Fruchtbarkeits-Champion macht. Bei den Griechinnen und Griechen hatte Aphrodite, die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, den Hasen als Symbol. Auch seine Affinität zum Mond prädestiniert den Hasen zum Ostereierlieferanten. Er gilt als Mondtier, und das Osterfest richtet sich nach dem Mondkalender. Es wird am ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Manche behaupten, wenn du zu diesem Zeitpunkt den Mond betrachtest, kannst du dort mit freiem Auge einen liegenden Hasen erkennen.

Eine andere Erklärungsvariante, wie der Hase und das Ei zusammenkamen, ist, dass vor einigen hundert Jahren Eltern ein Spiel für ihre Kinder erfanden. Sie versteckten die geweihten Ostereier, damit die Kinder sie suchen konnten. Und da Hasen im Frühling häufig auf Futtersuche durch die Gärten hoppelten, schrieb man ihnen flugs das Ostereierverstecken zu. Allerdings hat der Osterhase früher den Job nicht alleine gemacht. Auch andere Tiere waren fleißig. In einigen Teilen der Schweiz war der Kuckuck der Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch, in Tirol die Osterhenne und in Böhmen der Hahn die Eier zum Osterfest. In den Vogesen, einem Mittelgebirge in Ostfrankreich, fliegen noch heute die Osterglocken nach Rom, bringen am Heimflug die Ostereier mit und werfen sie über den Gärten ab. Da kann man nur hoffen, dass keine Fabergé-Eier dabei sind!


Kleine Eierkunde

  • 0 = aus biologischer Landwirtschaft
  • 1 = aus konventioneller Freilandhaltung
  • 2 = aus Bodenhaltung
  • 3 = aus Käfighaltung
  • AT = aus Österreich

In Österreich ist die tierquälerische Käfighaltung seit 2009 verboten. Auch Bodenhaltung ist nicht tiergerecht: Die Hennen werden in fensterlosen, künstlich beleuchteten Hallen gehalten und sehen ihr Leben lang kein Tageslicht. Platzmangel macht die Tiere oft aggresiv. Um Verletzungen vorzubeugen, wird den Hühnern häufig der Schnabel gestutzt. Bei unverpackten Ostereiern ist Vorsicht geboten. Sie können aus Ländern mit Käfighaltung stammen.


Ist das Ei noch frisch?

Ob ein Ei noch frisch ist, kannst du ganz einfach feststellen: Fülle ein geeignetes Gefäß mit Wasser und lege das verdächtige Ei hinein. Geht das Ei komplett unter, ist es frisch. Liegt das Ei mit der Spitze leicht nach oben zeigend am Boden, dann ist es einige Tage alt. Steht das Ei senkrecht, ist es zwei bis drei Wochen alt und sollte werden. Schwimmt es komplett an der baldigst verzehrt Oberfläche, ist es reif für den Biomüll.


von Patricia Brooks, QUAX.at Redaktion
erschienen in der QUAX.at Printausgabe 2/2012 vom 10. März 2012.

Veröffentlicht am: 19.03.2012 QUAX.at

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