Was sehen Babys?
Schutz vor Reizüberflutung inklusive
Bei Babys Geburt ist das Sehen der am wenigsten ausgebildete Sinn. Später werden ca. 80 % unserer Wahrnehmung über das Auge laufen. Einblicke in eine rasante Entwicklung...
Das Näschen von der Mama, das Kinn vom Papa,… Aber von wem hat es die blauen Augen? Von Mutter Natur! In der Tat kommen die meisten hellhäutigen Babys mit bläulich schimmernden Augen zur Welt. Der Grund ist das Farbpigment Melanin, das in den Äuglein von Neugeborenen noch kaum vorhanden ist und dessen Produktion erst durch das Tageslicht intensiviert wird. Blau ist schlichtweg jene Augenfarbe, die am wenigsten Farbpigmente benötigt. Mehr Melanin führt dann zu grünen bis hin zu braunen Augen. Die vererbte endgültige Augenfarbe kommt im Lauf des ersten Lebensjahres zum Vorschein.
Schutz vor Reizüberflutung inklusive
Doch die Farbe ist wahrlich nicht das einzige, was sich an Babyaugen in den Monaten nach der Geburt ändert. Der Sehsinn an sich wird mit der Geburt des Kindes vor eine riesige Herausforderung gestellt. War es im Mutterleib noch angenehm dunkel, prasseln in der Welt außerhalb plötzlich eine Unzahl an neuen Eindrücken auf das Neugeborene herein. Zum Glück sind Babys Augen nach der Geburt noch nicht voll funktionstüchtig. So nehmen sie die entfernte Umwelt vorerst nur schemenhaft und verschwommen wahr und bewahren sich auf diese Weise selbst vor zuviel Neuem, das sie überfordern könnte.
Aug’ in Aug’
Licht, Umrisse, Farben und Bewegungen können Neugeborene hingegen schon gut erkennen. Und Gesichter! Die „Punkti-Punkti- Strichi-Strichi“-Grundgestalt des menschlichen Gesichts zieht das Baby von Beginn an magisch an. Da in einem Abstand von 20 bis 30 cm sogar schon Neugeborene relativ scharf sehen können, handeln die frischgebackenen Mütter und Väter intuitiv richtig, wenn sie ihr Kleines nahe an das eigene Gesicht halten, um ihm ihre Zuneigung zu zeigen. Dieses gute Sehvermögen auf kurze Distanz fördert damit den raschen Aufbau von Geborgenheit und Vertrauen zwischen Kind und Eltern. Die liebgewonnenen Gesichter zu unterscheiden, lernt das Baby mit etwa drei bis vier Wochen.
Schwarz-Weiß statt Grün-Blau
Neben den Gesichtern sind es vor allem auffällige Gegenstände mit klaren Konturen, die Neugeborene besonders gern betrachten. Diese können sie auch schon kurz fixieren und ihnen mit den Augen folgen, wenn sie langsam durch das nahe Gesichtsfeld „schweben“. Hierbei empfiehlt es sich, zu Spielzeug mit starken Kontrasten und einfachen Mustern in Schwarz- Weiß oder Blau-Gelb zu greifen, denn feinere Farbunterschiede kann das Kleine noch nicht wahrnehmen. Damit lässt es sich bis zum fünften Lebensmonat Zeit.
Die Welt in 3D
Mobiles für das Gitterbett oder den Kinderwagen, die mit einfachen Figuren ausgestattet und in strahlenden Primärfarben wie Rot, Gelb und Blau gehalten sind, fördern die Entwicklung der Sehschärfe. Die verschiedenen Farben und Formen stärken nicht nur den Seh-, sondern auch den Tastsinn, wenn nach dem fokussierten Betrachten das gezielte Zupacken versucht wird. So macht das Baby die ersten Schritte in die dreidimensionale Welt, denn nach der Geburt sieht es vorerst nur zweidimensional. Mit etwa drei bis vier Monaten beginnen die Kinder in der Regel mit dem beidäugigen Sehen. Bis dahin kann es bei Neugeborenen aufgrund der noch nicht fertig entwickelten Augenmuskulatur vorkommen, dass die Augäpfel noch nicht in dieselbe Richtung gesteuert werden können. Für das räumliche Sehen ist das aber nötig. Erst dann verschmelzen die von beiden Augen gleichzeitig gelieferten Informationen zu einem einzigen Bild und die Tiefenwahrnehmung kann beginnen.
Übung macht den Meister
Unablässig trainiert das Baby sein Sehvermögen, bis es in einem Alter von ungefähr acht bis zwölf Monaten voll ausgereift ist und es fast so klar sehen kann wie Erwachsene. Um das Abschätzen von Tiefen und Entfernungen annähernd so gut wie die Großen zu beherrschen, heißt es aber noch ein paar Jahre üben, üben, üben...
Im Mutterleib
Der Sehsinn des ungeborenen Kindes beginnt sich im 7. Schwangerschaftsmonat zu entwickeln. Es öffnet zwar die Augenlider, aber richtig sehen können Babys vor der Geburt vermutlich noch nicht. Allerdings nehmen Babys im Mutterleib starke Lichteinstrahlungen – etwa wenn man mit einer Taschenlampe direkt auf den Bauch leuchtet – wahr und reagieren darauf.
(Edith Schillinger/QUAX.at-Printausgabe, 12.03.2011)
[Disclaimer]









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