Wo Stars gemacht werden – der Rote Teppich

„art.genossen“-Doku anlässlich der 82. Oscar-Verleihung

Geht ein Filmstar scheinbar ganz privat zu einer Preisverleihung wie dem Oscar, rüstet er sich tatsächlich zu einem streng inszenierten, öffentlichen Ereignis. Ganze Industrien – Mode, Medien, Beraterkolonnen – setzen auf dem roten Teppich Millionen um. Die „art.genossen“ wollen mit der Dokumentation „Wo Stars gemacht werden – der Rote Teppich“ von Oliver Nicklaus, zu sehen am Montag, dem 8. März, um 22:30 in ORF 2 im Rahmen des „Kulturmontags“, hinter die Kulissen blicken und das Phänomen „roter Teppich“ durchleuchten. Unter anderem melden sich Karl Lagerfeld, Sharon Stone, Valentino, Monica Bellucci, Marc Jacobs und Scarlett Johanson zu Wort.

Was früher nur kirchlichen Würdenträgern und Monarchen vorbehalten war, gehört heute den Hollywood-Ikonen: Die neuen Prinzen und Prinzessinnen schreiten wie zufällig über den roten Teppich, aber: „Ikonen wachsen nicht auf Bäumen! Der rote Teppich ist eine minutiös geplante und vorbereitete, perfekt gemachte Show“, sagt Patty Fox, die bei den Academy-Awards in Los Angeles jeden Zentimeter des roten Teppichs beherrscht. Der glamouröse Auftritt entscheidet über den Marktwert der Edelmimen, dafür bieten sie der Modeindustrie gerne ihren Körper als Werbefläche an, und die Designer lassen sich das etwas kosten. Wer sich etwa voriges Jahr zu den Filmfestspielen in Cannes in Armani warf, kassierte dafür 90.000 Euro. „Wissen Sie, wenn Schauspielerinnen bezahlt werden, ist es eine gute Sache. So müssen sie keine schlechten Filme drehen“, kommentiert Karl Lagerfeld. Ein Foto mit der Robe eines Luxusschneiders, das um die Welt geht, entspricht einem Werbeeinsatz von einer Million Euro – das lohnt sich!

„Alles gratis, gratis, gratis. Alle wollen alles gratis haben“, mault Mode-Edelfeder Mickey Boardman, ja, die verwöhnten Starlets sind anspruchsvoll. Manchmal ändern sie im letzten Moment ihre Meinung und schicken eine monatelang von Dutzenden Schneiderinnen angefertigte Robe einfach wieder zurück – um dann andere Dutzende Schneiderinnen Tag und Nacht mit einem neuen Gewand zu beschäftigen.

„Ich bin eine wandelnde Werbefläche“, kichert Sharon Stone und stellt ihren IQ von angeblich 154 unter Beweis: Sie weiß genau, dass sie ein Produkt ist. Nachdem Hundertschaften an Beratern und Modeexperten jedem Star ein ganz individuelles Aussehen verpasst haben, stellen Stilpolizisten am Ende fest: Alle sehen doch irgendwie gleich aus. Die kapitalistische Serienproduktion ist beim menschlichen Körper angekommen. Andy Warhol hatte recht: lauter Suppendosen auf dem roten Teppich.

„art.genossen“ ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.