"Jede Minute zählt"

Eine Blutvergiftung bei Kindern ist schwer zu erkennen

Eine Blutvergiftung ist wahrlich keine Kleinigkeit. Einem Bericht zufolge erleiden in unserem Nachbarland Deutschland jährlich rund 150000 Menschen eine Blutvergiftung von denen mehr als 10000 Kinder sind.

In wenigen Stunden vermehren sich dabei Krankheitserreger im Körper derart massiv, dass das Leben akut bedroht ist. Wie bei Erwachsenen tritt das Ereignis bei Kindern vor allem in Krankenhäusern auf, wo gefährliche Keime bereits geschwächte Patienten befallen.
"Klinikerreger haben dann leichtes Spiel", erklärt Dr. med. Michael Sasse, Experte für Sepsis bei Kindern in der pädiatrischen Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover.
"Aber auch eine kleine eitrige Entzündung kann eine Sepsis auslösen", fährt er fort. "Das passiert jedoch nur selten." Dann aber ist immer Gefahr im Verzug, denn der Ernst der Lage ist anfangs kaum zu erkennen. "Das ist das Tragische an diesem Krankheitsbild: Man vermutet eine banale Erkältung, doch nach wenigen Stunden ist das Kind kaum ansprechbar", erklärt Sasse.
In einem solchen Fall muss sofort der Notarzt alarmiert werden.

Dennoch tröstlich: Kinder sterben seltener an einer Sepsis als Erwachsene. In spezialisierten Zentren erliegen nur zwei Prozent der kleinen Patienten der Krankheit, in weniger erfahrenen Häusern bis zu zehn Prozent, während ein Drittel der Erwachsenen stirbt.
Der Grund: Betroffene Kinder leiden meistens nicht an weiteren Grundkrankheiten. "Bei Kindern können wir viel aggressiver therapieren", so Sasse. ("BABY und Familie" 8/2010)

Kennzeichnend für eine Blutvergiftung sind folgende Symptome:

* hohes Fieber mit Schüttelfrost
* schlechter Allgemeinzustand bis zur Benommen- oder Verwirrtheit
* blässlich-graue Hautfarbe
* stark abfallender Blutdruck
* Atemnot
* beschleunigter Herzschlag

Wenn sich die Erreger von einem oberflächlichen Entzündungsherd nicht über die Blutbahn, sondern über die Lymphbahnen ausbreiten, zeigt sich das gelegentlich zuerst in rötlichen oder bläulichen Streifen auf der Haut. Diese Veränderung wird umgangssprachlich oft als Blutvergiftung bezeichnet. Medizinisch gesehen liegt zu diesem Zeitpunkt aber erst eine Entzündung der Lymphgefäße vor und kein Eindringen der Erreger in die Blutbahn, also keine eigentliche Blutvergiftung.(www.meduniqua.at)