Wie übst du den Schulweg?

Kinder sehen Gefahren mit anderen Augen

Eltern sollten öfters mal für ihre Kinder in die Knie gehen. Dann zum Beispiel, wenn es darum geht, die Welt aus kindlicher Augenhöhe zu erfassen und zu erklären. Denn wenn es darum geht im Straßenverkehr die Übersicht zu behalten, sind Kinder aufgrund ihrer Größe bereits von vornherein schon im Nachteil.

Daher geht es beim Schulweg nicht nur darum, eine fixe Strecke festzulegen und zu üben. Den Kindern muss auch vermittelt werden, welche besonderen Gefahren es für sie im Straßenverkehr gibt. Man darf nicht übersehen, dass Kinder Autos, Fahrräder und andere Verkehrsteilnehmer aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen. Sie haben auch ein kleineres Sichtfeld. Deshalb sollten Eltern beim Üben des Schulwegs an riskanten Stellen, bei Ampeln, Zebrastreifen, etc. in die Hocke gehen und genau beobachten welche Gefahren drohen können.

Beim Üben des Schulwegs ist es auch wichtig, auf die persönlichen Stärken, Schwächen und Bedürfnisse des Kindes einzugehen.

Die ÖAMTC-Verkehrspsychologin nennt einige weitere Aspekte, die Eltern dringend berücksichtigen sollten:

* Bei Festlegen der Wegstrecke geht es darum, den sichersten Weg zu finden, nicht den kürzesten.

* Auf Vorbildwirkung achten. Kinder sind gute Beobachter. Deshalb ist es wichtig, dass Erwachsene dem Kind das richtige Verhalten immer vorzeigen und mögliche Gefahrenquellen kindgerecht erklären. Das Kind muss wissen, worauf es achten muss - beispielsweise beim Verlassen des Schulbusses, bei Ampeln, Zebrastreifen oder Toreinfahrten.

* "Kinder, die bereits im Vorjahr alleine in die Schule gegangen sind, sollten die Strecke mit ihren Eltern nochmals abgehen", rät die ÖAMTC-Expertin. Neue Baustellen, Ein- und Ausfahrten, Ladezonen, Schaufenster oder neue Plakate können die Aufmerksamkeit der Kinder trotz "Schulwegerprobtheit" abziehen.

* Kinder können oft noch schwer zuordnen, aus welcher Richtung ein Geräusch, z. B. ein herannahendes Auto, kommt. Ebenso können sie Geschwindigkeiten und Bremswege schlecht einschätzen. "Umso wichtiger ist es, dass man dem Kind einschärft, dass es niemals einfach über die Straße laufen darf", betont die ÖAMTC-Expertin.

* Nicht alle Kinder sind gleich. Manche sind durch ihren starken Bewegungsdrang oder mangelnde Aufmerksamkeitsleistung mehr unfallgefährdet. Extrovertierte Kinder beispielsweise interessieren sich für alles und jeden und das am besten gleichzeitig. Sie sind gefährdeter als ruhigere Kinder. Besonders introvertierte Kinder dagegen neigen zu Tagträumen - in unfallträchtigen Situationen fehlt es ihnen an den nötigen Handlungsmustern.

* Das Kind soll seine Hände frei haben. Alle für die Schule notwendigen Sachen sollten unbedingt in die Schultasche und nicht in eine extra Tasche. Auch Spielsachen, Handy oder ähnliches in der Hand lenken das Kind vom Verkehrsgeschehen ab. Ebenso irritierend können sich ein neues Styling oder Outfit mit Accessoires, Bändern und Taschen auf die Aufmerksamkeit des Kindes auswirken.

* Wenn es möglich ist, sollte man jüngere Kinder gemeinsam mit älteren Kindern auf den Schulweg schicken.

"Mit allen diesen Vorbereitungen sind die Eltern noch nicht aus ihrer Verantwortung entlassen", sagt die Clubexpertin. "Ein Schulweg-Begleitdienst von Erwachsenen gerade in den ersten Wochen ist zu empfehlen." Ebenso sollte man sich von Zeit zu Zeit durch unbemerktes Beobachten des Kindes vergewissern, dass der Sprössling sich am Schulweg an die vereinbarten Regeln hält.