
Angelina Jolie und Julia Roberts machen es vor: Zwillinge sind im Trend, auch in Deutschland.
Das bestätigt Professor Dr. med. Klaus Diedrich, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsklinik Lübeck, im Gespräch mit der Neuen Apotheken Illustrierten in ihrer aktuellen Ausgabe vom 15. Mai 2009.
Diese Zunahme ist jedoch keine Laune der Natur, sondern liegt an den verschiedenen Verfahren der Reproduktionsmedizin.
So sorgt zum Beispiel eine Hormonbehandlung dafür, dass in einem Zyklus mehr als ein Ei heranreift. Mediziner können das per Ultraschall sehen und raten von einer Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt ab.
»Manche wünschen sich jedoch bereits seit längerer Zeit ein Kind und lassen es darauf ankommen«, bedauert er. »Sie sind sich aber über die Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft leider nicht im Klaren.«
Auch bei einer sogenannten künstlichen Befruchtung im Reagenzglas kann es zu einer Mehrlingsschwangerschaft kommen, da Mediziner mehrere Eizellen entnehmen.
Zwei oder drei Embryonen setzt der Arzt anschließend in die Gebärmutter ein. »In vielen anderen Ländern darf der Arzt einen Embryo auswählen, der die beste Chance hat, sich zu einem Kind zu entwickeln«, erläutert Diedrich. »Hier verbietet das der Gesetzgeber.«
Eine Studie holländischer Wissenschafter (an der Vrije Universität in Amsterdam) hat sich mit dem Phänomen von Zwillingsschwangerschaften beschäftigt, und kam zu einem paradoxen Ergebnis:
Weil ältere Frauen oft mehrere Eizellen in einem Zyklus produzieren, bekommen sie offenbar auch häufiger Zwillinge.
Die holländischen Wissenschaftler haben den Reifungsprozess von Follikeln bei 959 Zyklen von Frauen beobachtet. Alle diese Frauen erhielten eine künstliche Befruchtung in Form einer Intrauterinen Insemination (IUI), wobei der männliche Samen direkt in die Gebärmutter eingeführt wird. In 105 Fällen reiften mehrere Eizellen heran und erreichten eine Größe von über 14 Millimetern.
Lediglich fünf dieser Frauen waren unter 30 Jahren alt.
Dagegen gab es unter den 30 bis 35-Jährigen 45 solche Fälle und bei den noch älteren gar 55.